RAG mit Azure AI Search: Tutorial mit Python und Hybridsuche

Inhalt
Azure AI Search ist der verwaltete Suchdienst von Microsoft und auf Azure der übliche Baustein für den Retrieval-Teil von RAG (Retrieval-Augmented Generation). Der Dienst liest den Text aus Ihren Dateien, teilt ihn in Abschnitte (Chunks), erzeugt dafür Embeddings mit einem Azure-OpenAI-Modell und beantwortet Suchanfragen mit einer Kombination aus Stichwortsuche, Vektorsuche und Reranking. Ein Chatmodell in Microsoft Foundry formuliert daraus die Antwort.
Dieses Tutorial baut die Pipeline vollständig mit dem Python-SDK
(azure-search-documents 12.0.0) auf und testet sie an einem echten
Dokument, dem 144 Seiten langen EU AI Act. Am Ende beantwortete die Pipeline
alle fünf Testfragen richtig, mit Artikelangaben, in rund 1,2 Sekunden pro
Antwort. Dafür waren zwei Korrekturen nötig, und beide Probleme treffen Sie
mit eigenen Dokumenten genauso: Der Basic-Tarif schnitt die letzten 15 % des
PDFs ab, und mit der Standard-Chunkgröße scheiterte eine Frage nach
Anwendungsfristen. Getestet haben wir am 6. November 2026; Preise und
Regionen haben denselben Stand.
So funktioniert RAG mit Azure AI Search
RAG (auf Englisch) läuft in zwei Phasen. Beim Indexieren werden Dokumente in Chunks zerlegt und jeder Chunk mit einem Embedding gespeichert. Bei einer Anfrage sucht das System die passendsten Chunks und gibt sie einem Sprachmodell als Kontext mit. Azure AI Search deckt die erste Phase vollständig ab und von der zweiten den Suchteil.
RAG-Pipeline mit Azure AI Search: Indexer und Skillset füllen den Index, eine hybride Anfrage mit Semantic Ranker liefert gpt-5.4-mini die Quellen
Diese Objekte legen Sie in Azure AI Search an:
| Objekt | Aufgabe |
|---|---|
| Data Source | Verbindung zu Blob Storage, SharePoint, OneLake, Azure SQL, Cosmos DB und anderen |
| Skillset | Verarbeitungsschritte beim Indexieren, hier der Text Split Skill (Chunking) und der Azure OpenAI Embedding Skill |
| Index | Der durchsuchbare Speicher: Textfelder für die Stichwortsuche, Vektorfelder für die Ähnlichkeitssuche |
| Index Projection | Schreibt jeden Chunk als eigenes Suchdokument statt eines Dokuments pro Datei |
| Indexer | Führt die Pipeline bei Bedarf oder nach Zeitplan aus und verarbeitet nur neue oder geänderte Dateien |
| Vectorizer | Wandelt die Frage zur Laufzeit mit demselben Modell in einen Vektor um, Ihr Code schickt nur Text |
Microsoft nennt das Zusammenspiel aus Skillset, Index Projection und Vectorizer "Integrated Vectorization". Ihre Anwendung berechnet selbst kein einziges Embedding.
Bei einer Anfrage startet eine hybride Suche parallel eine BM25-Stichwortsuche und eine Vektorsuche (HNSW) und führt beide Ergebnislisten per Reciprocal Rank Fusion (RRF) zusammen. Der Semantic Ranker sortiert danach die besten 50 Treffer mit einem mehrsprachigen Modell neu, das von Bing abgeleitet ist. Die besten fünf Chunks gehen an das Chatmodell.
Klassisches RAG, Agentic Retrieval und Foundry IQ
Die RAG-Übersicht von Microsoft beschreibt inzwischen zwei Wege. "Classic RAG" ist die Pipeline oben: Ihr Code schickt eine hybride Anfrage und ruft das Modell auf. Bei "Agentic Retrieval" plant ein LLM mehrere Teilanfragen, der Dienst führt sie parallel aus und liefert die zusammengeführten Ergebnisse. Die zugehörige Ressource heißt Knowledge Base; Foundry IQ ist der Name für Knowledge Bases, die Agenten im Microsoft-Foundry-Portal nutzen.
Der Status ist gemischt. Knowledge Bases mit minimalem, extraktivem Retrieval
sind seit der REST-API 2026-04-01 allgemein verfügbar (GA). Die
Anfrageplanung per LLM, die Antwortsynthese und die Reasoning-Stufen low
und medium sind noch Preview (2026-08-01-preview), und das Portal zeigt
alle Agentic-Retrieval-Funktionen nur im Preview-Modus. Weiter unten testen
wir beides.
Falls Sie "Azure OpenAI On Your Data" genutzt haben (den Parameter
data_sources der Chat-Completions-API oder "Add your data" im Playground):
Microsoft hat die Funktion am 14. Oktober 2026
eingestellt.
Bestehende Suchindizes funktionieren weiter. Sie rufen den Suchdienst jetzt
selbst auf, wie unten gezeigt, oder steigen auf eine Knowledge Base um.
Tarif und Region wählen
Für den Datenstandort im DACH-Raum zählt die Region so viel wie der Tarif. Die Regionsliste (Stand 3. November 2026) führt Sweden Central, West Europe, Germany West Central und North Europe als "high demand". Das "prevents the creation of new search services", also lassen sich dort keine neuen Suchdienste anlegen. Bestehende Dienste laufen weiter. France Central und Switzerland North nehmen neue Dienste an, und alle sechs Regionen unterstützen Semantic Ranker und Agentic Retrieval.
Chat- und Embedding-Modell dürfen in einer anderen Region laufen als der
Suchdienst. Die Verfügbarkeit der Modelle haben wir am 6. November 2026 mit
az cognitiveservices model list geprüft:
| Region | Suchdienst | gpt-5.4-mini | text-embedding-3-small |
|---|---|---|---|
| France Central | neue Dienste möglich | DataZoneStandard, GlobalStandard | DataZoneStandard, GlobalStandard |
| Switzerland North | neue Dienste möglich | DataZoneStandard, GlobalStandard | Standard (regional), GlobalStandard |
| Germany West Central | high demand, keine neuen Dienste | DataZoneStandard, GlobalStandard | DataZoneStandard, GlobalStandard |
| Sweden Central | high demand, keine neuen Dienste | DataZoneStandard, GlobalStandard | DataZoneStandard, GlobalStandard |
Wir haben alles in France Central angelegt und beide Modelle als
DataZoneStandard bereitgestellt. Laut der Seite zu den
Deployment-Typen
verarbeitet der Dienst die Daten dann nur innerhalb der EU Data Boundary
(dazu können EFTA-Staaten wie die Schweiz und Norwegen gehören), und
gespeicherte Daten bleiben in der Geografie der Ressource. Ein
GlobalStandard-Deployment ist etwa 9 % günstiger, die Daten "may be
processed in any Azure region", also in jeder Azure-Region.
Free reicht für einen ersten Blick. Allerdings gibt es pro Subscription nur einen kostenlosen Dienst, mit 50 MB Speicher, drei Indizes und Indexer-Läufen von höchstens drei Minuten. Basic ist der kleinste Tarif für echte Dokumente. Der Import-Quickstart setzt Basic oder höher auch für Managed Identities voraus, die wir für jede Verbindung nutzen.
Azure-Ressourcen anlegen
Sie brauchen eine Azure-Subscription, die Azure CLI und Python 3.10 oder neuer. Diese Befehle haben wir ausgeführt; ersetzen Sie die Platzhalter durch Ihre Werte:
--auth-options aadOrApiKey aktiviert Microsoft Entra ID (RBAC) zusätzlich
zu den API-Keys, --identity-type SystemAssigned gibt dem Suchdienst eine
eigene Managed Identity, und --semantic-search free schaltet den
kostenlosen Plan des Semantic Rankers ein. Der AIServices-Account ist eine
Microsoft-Foundry-Ressource. Sie braucht eine eigene Subdomain, damit Azure AI
Search sie aufrufen kann. Danach stellen Sie die beiden Modelle bereit:
Wir haben gpt-5.4-mini gewählt, weil Azure gpt-4.1-mini bereits als
"Legacy" führt (Abschaltung am 14. April 2027). Die Kapazität ist in tausend
Token pro Minute angegeben.
Dann vergeben Sie die Rollen. Die Managed Identity des Suchdienstes liest die Blobs und ruft das Embedding-Modell auf; Ihr eigenes Benutzerkonto verwaltet den Index und ruft das Chatmodell auf. So landet kein Key im Code oder in der Indexdefinition.
Dokument hochladen
Als Testdokument dient der EU AI Act, Verordnung (EU) 2024/1689, als englisches PDF von EUR-Lex (144 Seiten, 2,6 MB). Die EU erlaubt die Weiterverwendung von EUR-Lex-Dokumenten mit Quellenangabe. Mit langen Artikeln, Querverweisen und Anhängen ist die Verordnung ein guter Ersatz für Verträge, Normen und Handbücher.
Der Basic-Tarif extrahiert nur die ersten 512.000 Zeichen jeder Datei (mehr dazu bei den Stolpersteinen). Deshalb haben wir das PDF vor dem Hochladen in drei Teile zu je 48 Seiten geteilt:
Python-Pakete installieren
Wir haben azure-search-documents 12.0.0 (erschienen am 1. Mai 2026, nutzt
die REST-API 2026-04-01), azure-identity 1.27.0 und openai 3.46.0
verwendet. Die Skripte lesen drei Umgebungsvariablen:
DefaultAzureCredential meldet sich mit Ihrem Azure-CLI-Login an. Wenn Ihr
Konto mehrere Tenants sieht, führen Sie vorher az account set --subscription <id> aus. Die CLI fordert Tokens für den Tenant der Standard-Subscription an,
und ein Token aus dem falschen Tenant scheitert mit einem
Authentifizierungsfehler.
Schritt 1: Index und Indexing-Pipeline anlegen
Dieses Skript legt Data Source, Index, Skillset und Indexer an. Der Indexer startet, sobald er angelegt ist; das Skript wartet, bis der Lauf fertig ist.
Ein paar Details gehen leicht schief:
- Das Schlüsselfeld
chunk_idbraucht den Analyzerkeyword, sonst können die Index Projections die erzeugten Chunk-IDs nicht schreiben. - Vectorizer im Index und Embedding Skill müssen auf dasselbe Modell mit denselben Dimensionen zeigen. Sonst liegen Anfragen und Chunks in verschiedenen Vektorräumen.
en.microsoftist der Sprach-Analyzer für die Stichwortsuche. Für deutsche Dokumente nehmen Siede.microsoft.- Kein Connection String enthält einen Key. Die Data Source nutzt
ResourceId=..., Skill und Vectorizer melden sich mit der Managed Identity des Suchdienstes an.
Der Lauf über die drei Teile dauerte 73 Sekunden und ergab 809 Chunks. Der Index belegt 18,7 MB, davon 5,0 MB Vektorindex. Eine Basic-Partition fasst 15 GB Speicher und 5 GB Vektoren. Der Speicher ist also zuerst voll, bei etwas über 800 Dokumenten dieser Größe.
Wenn Sie lieber im Portal arbeiten: Der Import data Wizard (Szenario "RAG") legt dieselben vier Objekte an. Laut Dokumentation teilt er immer in Chunks von 2.000 Zeichen mit 500 Zeichen Überlappung, und diese Einstellung lässt sich nicht ändern. Das ist nicht egal, wie der Test unten zeigt.
Schritt 2: Hybride Suche und Antwort mit Quellenangaben
Der Abfragecode passt in ein Modul. retrieve schickt eine hybride Anfrage:
die Frage als Suchtext für BM25 und eine VectorizableTextQuery, die der
Suchdienst selbst in einen Vektor umwandelt. Mit query_type="semantic"
sortiert der Semantic Ranker die Treffer neu. answer nummeriert die besten
fünf Chunks und weist gpt-5.4-mini an, sie zu zitieren.
k_nearest_neighbors=50 gibt dem Semantic Ranker die vollen 50 Kandidaten,
die er neu sortieren kann. Der OpenAI-Client nutzt den v1-Endpunkt der
Foundry-Ressource und ein Token aus Entra ID statt eines API-Keys; model ist
der Name des Deployments. Auf die Frage "From when do the obligations for
general-purpose AI models apply?" antwortete die Pipeline:
Quelle [1] ist der Chunk mit Erwägungsgrund 179, der genau dieses Datum
nennt. Ihre Anwendung ordnet die Nummern den Chunks zu (title,
chunk_id) und kann sie als Links anzeigen.
Testergebnis: fünf Fragen zum EU AI Act
Wir haben fünf Fragen gestellt, deren Antworten eindeutig im Text stehen. Pro Frage haben wir geprüft, ob der Chunk mit der Antwort in jedem Suchmodus unter den ersten fünf Treffern war und ob die Antwort stimmte. Eine Frage war auf Deutsch, das Dokument auf Englisch.
| Frage | Stichwort | Vektor | Hybrid | Hybrid + Semantic | Antwort |
|---|---|---|---|---|---|
| Höchststrafe für eine verbotene KI-Praxis | nicht gefunden | Rang 5 | nicht gefunden | Rang 1 | richtig: 35 Mio. Euro oder 7 % (Art. 99 Abs. 3) |
| Was Chatbot-Anbieter Nutzern sagen müssen | nicht gefunden | Rang 1 | Rang 4 | Rang 1 | richtig (Art. 50 Abs. 1) |
| Ab wann gelten die Pflichten für GPAI-Modelle | nicht gefunden | nicht gefunden | nicht gefunden | Rang 1 | richtig: 2. August 2025 |
| Pflichten der Betreiber zur menschlichen Aufsicht (deutsch) | nicht gefunden | Rang 3 | Rang 3 | Rang 1 | richtig, auf Deutsch (Art. 26 Abs. 2) |
| Ist KI zum Filtern von Bewerbungen hochriskant? | Rang 1 | Rang 1 | Rang 1 | Rang 1 | richtig (Anhang III) |
Hybride Suche mit Semantic Ranker brachte bei jeder Frage den richtigen Chunk auf Platz 1. Die Stichwortsuche allein fand nur einen davon, und die deutsche Frage fand per Stichwort gar nichts, weil das Dokument englisch ist. Die Vektorsuche hat die Sprachgrenze überbrückt, und bei den Fragen nach Strafe und Frist hat erst der Ranker den richtigen Chunk nach vorn geholt.
Antwortzeiten der Suche (Median und 90. Perzentil über 15 Anfragen pro Modus, Client in Österreich, Dienst in France Central):
| Modus | Median | p90 |
|---|---|---|
| Stichwort | 40 ms | 68 ms |
| Vektor | 108 ms | 143 ms |
| Hybrid | 217 ms | 263 ms |
| Hybrid + Semantic | 269 ms | 340 ms |
Die vollständige Antwort mit Modellaufruf dauerte zwischen 0,9 und 4,2
Sekunden, im Median 1,2 Sekunden. Pro Frage las gpt-5.4-mini rund 1.050
Eingabe-Token und schrieb 50 bis 270 Ausgabe-Token.
Was die ersten beiden Versuche falsch machten
Die Tabelle zeigt die endgültige Konfiguration. Dorthin kamen wir in drei Läufen:
| Aufbau | Richtige Antworten |
|---|---|
| Ein PDF mit 144 Seiten, Chunks mit 2.000/500 Zeichen | 3 von 5 (Strafe: "nicht in den Quellen"; GPAI-Frist: falsch) |
| Drei PDF-Teile, 2.000/500 Zeichen | 4 von 5 (GPAI-Frist: falsch) |
| Drei PDF-Teile, 1.000/200 Zeichen | 5 von 5 |
Im ersten Lauf meldete der Indexer Erfolg, mit einer einzigen Warnung:
Truncated extracted text to '524288' characters. Der Index endete mitten in
Artikel 99. Alles danach fehlte: die Geldbußen, Artikel 113 mit den Fristen
und sämtliche Anhänge. Das Modell sagte korrekt, dass die Quellen die
Strafhöhe nicht enthalten, und beantwortete die Hochrisiko-Frage aus den
Erwägungsgründen statt aus Anhang III.
Die zweite Korrektur betrifft die Chunkgröße. Bei 2.000 Zeichen lag die Passage zu den Fristen in einem Chunk zusammen mit Artikel 1, und Artikel 113 selbst nennt nur "Chapter V", ohne KI-Modelle mit allgemeinem Verwendungszweck zu erwähnen. Keiner der beiden Chunks schaffte es unter die ersten 50. Bei 1.000 Zeichen stand der Chunk mit Erwägungsgrund 179 auf Platz 1. Kleinere Chunks sind nicht immer besser. Bei Gesetzestexten und anderen Dokumenten mit vielen kurzen, in sich geschlossenen Regelungen haben sie hier aber klar geholfen. Testen Sie das mit Ihren eigenen Dokumenten und Fragen, bevor Sie den Standard des Wizards übernehmen.
Knowledge Bases und Agentic Retrieval
Eine Knowledge Base setzt auf einen bestehenden Index auf. In der GA-Version
(2026-04-01) plant sie keine Anfragen: Sie übergeben eine oder mehrere
Suchabsichten (Intents), der Dienst führt sie parallel mit semantischem
Reranking aus und liefert die zusammengeführten Chunks mit Referenzen. Das
SDK 12.0.0 unterstützt das:
Die Antwort enthält die Chunks als JSON-Array (ref_id, title,
content), fertig für die Übergabe an ein Modell. In unserem Lauf stand der
Chunk mit Erwägungsgrund 179 an erster Stelle. Die GA-Version leistet etwa
dasselbe wie die klassische hybride Anfrage, bringt aber zwei Dinge mit: Sie
kann mehrere Knowledge Sources (Indizes, Blob, OneLake, Web) in einem Aufruf
abfragen, und Agenten in Foundry können sie direkt als Werkzeug nutzen.
Spannender ist der Teil, der noch Preview ist. Mit 2026-08-01-preview,
einer Modellreferenz und der Reasoning-Stufe low haben wir die
ursprüngliche Fristen-Frage an eine Knowledge Base auf dem Index mit
2.000-Zeichen-Chunks geschickt, also genau dort, wo klassisches RAG
gescheitert war. gpt-5.4-mini zerlegte die Frage in drei Teilanfragen, und
die Passage aus Erwägungsgrund 179 war im Ergebnis. Der Aufruf dauerte 2,0
Sekunden: 0,86 Sekunden für die Planung und rund 0,3 Sekunden pro
Teilanfrage, parallel ausgeführt. Die Anfrageplanung gleicht eine
ungünstige Chunkgröße also aus, kostet aber einen zusätzlichen Modellaufruf
pro Frage. Als Preview-Funktion gehört sie vorerst nicht in die Produktion.
Stolpersteine
Große Dateien werden still abgeschnitten
Jeder Tarif extrahiert nur eine begrenzte Zahl von Zeichen pro Datei: 256.000 bei Free, 512.000 bei Basic, 4 Millionen bei S1 (siehe die Limits-Seite). Der Indexer meldet trotzdem Erfolg und hinterlässt nur eine Warnung im Verlauf. Prüfen Sie nach jedem Lauf die Warnungen, teilen Sie große Dateien oder nehmen Sie S1. Die maximale Dateigröße liegt bei Free und Basic bei 16 MB.
Die Chunkgröße des Wizards ist fest
Der Wizard im Portal teilt immer in 2.000/500 Zeichen. Wenn Sie andere Werte brauchen, definieren Sie das Skillset wie oben im Code oder passen es nach dem Wizard an.
Beliebte EU-Regionen nehmen keine neuen Dienste an
In vier der gängigsten europäischen Regionen können Sie derzeit keinen neuen Suchdienst anlegen. Prüfen Sie die Regionsliste vor der Planung. Suchdienst und Modelle dürfen in verschiedenen Regionen liegen.
Der kostenlose Plan des Semantic Rankers ist begrenzt
Neue Dienste starten im kostenlosen Plan mit einem monatlichen Kontingent;
die Preisseite
nennt 1.000 kostenlose Anfragen. Danach liefern Anfragen einen
Abrechnungsfehler, bis Sie den Dienst auf den Standard-Plan umstellen (az search service update --semantic-search standard). Preisseite und
Dokumentation zum Semantic Ranker widersprechen sich übrigens bei der Frage,
ob der Free-Tarif den Ranker überhaupt bekommt. Planen Sie mit Basic.
DefaultAzureCredential erwischt den falschen Tenant
DefaultAzureCredential nutzt den Azure-CLI-Login. Gehört die
Standard-Subscription der CLI zu einem anderen Tenant, scheitert jede Anfrage
mit einem Authentifizierungsfehler. az account set --subscription <id>
behebt das.
Chunks haben keine Seitenzahlen
Die Standard-Textextraktion merkt sich nicht, von welcher Seite ein Chunk
stammt. Beim AI Act reichten die Artikelnummern im Text für die Zitate. Wenn
Sie Seitenzahlen oder Koordinaten brauchen, nehmen Sie den Document Layout
Skill
mit locationMetadata. Ab 20 Dokumenten pro Indexer und Tag wird er über
Document Intelligence abgerechnet.
Die Indexstatistik hinkt hinterher
Direkt nach dem Indexieren zeigte die Indexstatistik mehrere Minuten lang 0
Dokumente und 0 Byte, obwohl Anfragen schon Treffer lieferten. Was
durchsuchbar ist, prüfen Sie mit get_document_count().
Was Azure AI Search kostet
Preise aus der Azure Retail Prices API für France Central, abgerufen am 6. November 2026. Die Monatswerte rechnen mit 730 Stunden, einem Replikat und einer Partition.
| Tarif | Preis pro Stunde | Pro Monat | Speicher pro Partition | Vektorindex pro Partition |
|---|---|---|---|---|
| Free | 0 | 0 | 50 MB gesamt | k. A. |
| Basic | 0,0907 Euro | rund 66 Euro | 15 GB | 5 GB |
| Standard S1 | 0,3016 Euro | rund 220 Euro | 160 GB | 35 GB |
| Standard S2 | 1,2065 Euro | rund 881 Euro | 512 GB | 150 GB |
Dazu kommen nutzungsabhängige Kosten:
| Posten | Preis |
|---|---|
| Semantic Ranker | 1.000 Anfragen pro Monat frei, danach 0,8977 Euro pro 1.000 |
| Agentic Retrieval | 50 Millionen Token pro Monat frei, danach 0,022 US-Dollar pro Million Token |
| gpt-5.4-mini, DataZoneStandard | 0,825 US-Dollar pro Million Eingabe-Token, 4,95 US-Dollar pro Million Ausgabe-Token |
| text-embedding-3-small, DataZoneStandard | 0,022 US-Dollar pro Million Token |
Bei rund 1.050 Eingabe- und 120 Ausgabe-Token kostet eine Antwort etwa 0,0015 US-Dollar für das Modell. Den ganzen AI Act einmal in Embeddings umzuwandeln, kostet deutlich unter einem Cent. In der Praxis besteht die Monatsrechnung also vor allem aus dem Suchtarif: Für einige tausend Fragen im Monat auf Basic zahlen Sie rund 66 Euro plus ein paar Euro für Modell und Semantic Ranker. Jedes zusätzliche Replikat und jede Partition kostet noch einmal den Stundenpreis, ein Basic-Dienst mit zwei Replikaten also rund 132 Euro. Unser gesamter Testlauf kostete weniger als einen Euro.
Microsoft bietet außerdem einen Serverless-Tarif als Preview an, abgerechnet nach Compute Units pro Stunde und gespeicherten GB, mit Skalierung auf null und 1 GB pro Index. Er ist nur in einigen Regionen verfügbar, hat kein SLA und lässt sich nicht in die dedizierten Tarife migrieren. Für einen Proof of Concept mit wenig Last kann er die günstigere Wahl werden.
Unsere Einschätzung
Für Unternehmen, die ohnehin auf Azure arbeiten, ist Azure AI Search der naheliegende Startpunkt für RAG. Die integrierte Pipeline erspart Ihnen eigenen Code für Chunking, Embeddings und Synchronisation, der Indexer erkennt geänderte Dateien von selbst, und hybride Suche mit Semantic Ranker lieferte im Test gute Treffer, ohne dass wir außer der Chunkgröße etwas einstellen mussten. Mit Managed Identities und Entra-ID-Rollen steht kein Key im Code, und mit France Central oder Switzerland North plus DataZoneStandard-Deployments bleiben die Daten in der EU oder in der Schweiz.
Die Schwachstellen übersieht man leicht. Das Extraktionslimit pro Datei fällt kaum auf, die Chunkgröße des Wizards ist fest, und die beliebtesten EU-Regionen nehmen derzeit keine neuen Dienste an. Agentic Retrieval mit Anfrageplanung bringt eine echte Verbesserung, ist aber zum größten Teil noch Preview. Testen Sie das Retrieval vor dem Livegang mit Ihren eigenen Dokumenten und einer Reihe echter Fragen, so wie hier. Wie Sie das automatisieren, zeigt unser Beitrag zur RAG-Evaluierung mit Ragas. Reicht die Qualität des Rerankings nicht, ist ein Late-Interaction-Reranker wie ColBERT (auf Englisch) eine Alternative zum Semantic Ranker.
Wenn Ihr Wissen in SharePoint und Microsoft 365 liegt, lohnt auch ein Blick auf SharePoint-Listen als Wissensquelle in Copilot Studio. Für Agenten, die den Index als Werkzeug nutzen, gibt es unseren Leitfaden zum Microsoft Agent Framework.
Wir bauen RAG-Systeme auf Azure für Unternehmen in Österreich, Deutschland und der Schweiz, von der Aufbereitung der Dokumente bis zur Evaluierung. Wenn Sie so ein Projekt planen, finden Sie bei unserer KI-Beratung den Einstieg, oder schreiben Sie uns direkt.
Sie möchten zuverlässige KI-Agenten-Systeme bauen?
Wir haben auf Basis aktueller Forschung einen ausführlichen Leitfaden (auf Englisch) erstellt, wie Sie robuste KI-Agenten-Systeme bauen, die auch im produktiven Betrieb funktionieren. Der Leitfaden behandelt:
- die 14 systematischen Fehlerquellen in Multi-Agenten-Systemen
- belegte Best Practices für das Design von Agenten
- strukturierte Kommunikationsprotokolle und Prüfmechanismen



