KI-Workflows mit dem Microsoft Agent Framework orchestrieren

Inhalt
Workflows im Microsoft Agent
Framework
sind graphbasierte Prozesse, die Entwickler vorab festlegen: eine feste Folge
von Schritten (Executors), die über Kanten verbunden sind und in einer
vorhersehbaren Reihenfolge laufen. Sie eignen sich statt eines
gesprächsorientierten ChatAgent immer dann, wenn bestimmte Schritte
garantiert laufen müssen, Freigaben an den richtigen Stellen passieren sollen
und Sie hinterher nachvollziehen müssen, was passiert ist. In diesem
Leitfaden bauen wir in Python einen IT-Ticket-Workflow mit vier Schritten,
starten ihn über die Konsole und in der DevUI und ergänzen dann bedingte
Kanten, die Tickets mit hoher Priorität an einen Alarm weiterleiten.
In unserem vorherigen
Beitrag haben wir mit dem
Microsoft Agent
Framework
einen praxistauglichen IT-Helpdesk-Agenten gebaut. Der ChatAgent sprach mit
den Benutzern, prüfte über Tools den Status von Systemen und verwaltete den
Zustand des Gesprächs. Er verstand, was der Benutzer wollte, und reagierte
sofort mit den passenden Schritten.
Echte Geschäftsprozesse sind selten so einfach. Was passiert, wenn sich ein Prozess über mehrere Tage zieht, etwa weil eine Führungskraft eine neue Softwarelizenz freigeben muss? Wie gehen Sie mit einer Aufgabe um, die anhalten, auf eine menschliche Entscheidung warten und dann ohne Kontextverlust weiterlaufen muss? Und was ist mit einer mehrstufigen Datenpipeline, in der jeder Schritt erfolgreich sein muss, bevor der nächste beginnt, und die gesamte Abfolge prüfbar sein soll?
Hier stößt der gesprächsorientierte ChatAgent an seine Grenzen. Ein
ChatAgent bearbeitet spontane Anfragen dynamisch und entscheidet anhand der
Eingabe, was er tut. Ein Workflow legt dagegen eine feste, graphbasierte
Abfolge von Schritten fest. Workflows sind für komplexe, lange laufende
Prozesse gedacht, bei denen Zuverlässigkeit und Nachvollziehbarkeit Pflicht
sind.
Dieser Beitrag behandelt die Orchestrierungs-Engine selbst: wie Sie Workflows mit linearen und bedingten Pfaden bauen, ausführen und untersuchen. Dauerhaftigkeit und das Human-in-the-Loop-Muster, die KI im Unternehmen etwas komplexer, aber vertrauenswürdig machen, sind hier nicht Thema.
Update (November 2026): Mehrere der unten verwendeten APIs haben sich 2026 geändert. Laut Microsofts
Upgrade-Leitfaden für Python
heißt ChatAgent jetzt Agent, und set_start_executor() wurde entfernt (beides in python-1.0.0b260210). Der
Startknoten wird deshalb jetzt im Konstruktor übergeben, als WorkflowBuilder(start_executor=...). AzureOpenAIResponsesClient
wurde in python-1.0.0rc6 entfernt, und seit 1.0.0 lassen sich die Kernpakete von agent-framework ohne --pre installieren.
ChatAgent oder Workflow: das richtige Werkzeug wählen
Bevor Sie Code schreiben, steht im Microsoft Agent Framework eine
grundlegende Architekturentscheidung an: Wann nehmen Sie einen
gesprächsorientierten ChatAgent, und wann bauen Sie einen strukturierten
Workflow? Die beiden sind nicht austauschbar, denn jeder löst eine andere
Art von Problemen.
ChatAgent: der Gesprächspartner
Wie in unserem vorherigen Leitfaden gezeigt, ist der ChatAgent stark bei
offenen, dynamischen Interaktionen. Sein Verhalten steuert das Large Language
Model in seinem Kern. Sie geben ihm Anweisungen, eine Reihe von Tools und
einen Prompt des Benutzers, und der Agent überlegt, wie er am besten vorgeht.
Sein Weg steht nicht vorher fest, er ergibt sich aus dem Dialog.
Ein ChatAgent passt zu gesprächsbasierten Oberflächen für Benutzer
(Chatbots, Copilots), zu spontanen Aufgaben, bei denen die Absicht des
Benutzers den Ablauf bestimmt, und zu Fällen, in denen Flexibilität und
Sprachverständnis wichtiger sind als ein starrer, wiederholbarer Ablauf.
Angetrieben wird er von den Überlegungen des LLM, Runde für Runde: Es plant,
ruft ein Tool auf, betrachtet das Ergebnis und plant in einer Schleife neu.
Der Zustand des Agenten liegt im AgentThread, der den Gesprächsverlauf
enthält. Für den Kontext einer einzelnen, zusammenhängenden Interaktion ist
das ideal. Ohne zusätzlichen Entwicklungsaufwand ist der AgentThread aber
nicht dafür gedacht, Systemneustarts dauerhaft zu überstehen. Die größte
Stärke eines ChatAgent ist seine Flexibilität: Er passt sich unerwarteten
Anfragen an und führt komplexe Gespräche ohne Drehbuch.
Workflow: der strukturierte Orchestrator
Ein Workflow ist dagegen ein deterministischer, graphbasierter Prozess, den der Entwickler festlegt. Ist ein Agent eine kluge Mitarbeiterin, der man ein Ziel gibt, dann ist der Workflow der dokumentierte Geschäftsprozess, an den sie sich halten muss.
Der Kontrollfluss ist explizit: eine Reihe von Knoten (Executors), die über
Kanten verbunden sind. Innerhalb eines Knotens kann ein LLM eine anspruchsvolle
Aufgabe übernehmen, die Richtung des Gesamtprozesses bestimmt es aber nicht.
Aus unserer Sicht ermöglicht erst diese explizite Struktur die besten
Enterprise-Funktionen des Frameworks.
Workflows passen zu etablierten Geschäftsprozessen (Spesenfreigaben, Onboarding neuer Benutzer), zu lange laufenden Aufgaben, die anhalten und weiterlaufen müssen (warten auf menschliche Eingaben, ein stundenlanger Datenjob), und zu Fällen, in denen Nachvollziehbarkeit, Zuverlässigkeit und ein vorhersehbarer Ablauf nicht verhandelbar sind.
Angetrieben wird ein Workflow von einem Ausführungsgraphen, den der
Entwickler definiert. Der Ablauf wandert anhand vorab festgelegter
Verbindungen und Bedingungen von einem Executor zum nächsten. Workflows sind
auf Dauerhaftigkeit ausgelegt: Sie unterstützen Checkpointing, ihr Zustand
lässt sich also jederzeit serialisieren und dauerhaft speichern (etwa in
einer Datenbank). So überstehen sie Neustarts und können beliebig lange auf
externe Ereignisse warten. Die größte Stärke eines Workflows ist seine
Zuverlässigkeit: Der Prozess ist vorhersehbar, nachvollziehbar und übersteht
Unterbrechungen.
Agenten in Workflows einbetten
Sie müssen sich nicht für eines von beiden entscheiden. Die ausgefeiltesten
Lösungen kombinieren oft beide Muster: Ein Workflow steuert den
übergeordneten Prozess, und einer seiner Knoten ist ein ChatAgent, der eine
bestimmte, agentenartige Teilaufgabe übernimmt.
Nehmen wir eine Pipeline zur Dokumentenverarbeitung:
- Workflow-Knoten 1 (Executor): Eine einfache Funktion holt ein neues PDF aus einem SharePoint-Ordner. Dieser Schritt ist deterministisch und zuverlässig.
- Workflow-Knoten 2 (Agent): Das PDF geht an einen
ChatAgentmit der Anweisung: "Du bist Rechtsanalyst. Lies dieses Dokument, fasse die wichtigsten Klauseln zusammen und extrahiere die Namen aller beteiligten Parteien in ein JSON-Objekt." Dieser Schritt nutzt die Denkfähigkeit des LLM für eine komplexe, unstrukturierte Aufgabe. - Workflow-Knoten 3 (Executor): Die strukturierte JSON-Ausgabe des Agenten wird in einer Datenbank gespeichert. Auch das ist ein deterministischer, zuverlässiger Schritt.
Hinweis: Wir sehen viele Projekte, in denen genau dieser Prozess
einfach einem Agenten übergeben wird. Warum nicht ein Tool zum Lesen von
PDFs und eines zum Schreiben in die Datenbank an einen Agenten hängen und
fertig? Weil LLMs über Hunderte und Tausende Ausführungen hinweg nicht
deterministisch sind. Je mehr Entscheidungen Sie dem LLM überlassen, desto
höher ist das Risiko, dass etwas schiefgeht. Und es wird schiefgehen. Ein
Workflow, der den Gesamtprozess steuert, stellt sicher, dass die kritischen
Schritte (PDF holen, in die Datenbank speichern) immer laufen. Die komplexe
Aufgabe, das Dokument zu verstehen, übernimmt weiterhin der ChatAgent.
Eingehende Kundenbestellungen sind ein typischer Kandidat für eine solche Pipeline. Bei Meusburger gehen 96 % der Bestellungen, die per E-Mail, PDF oder Excel eintreffen, ohne Korrektur ins System.
Dieser hybride Ansatz verbindet die nachvollziehbare Orchestrierung eines Workflows mit der flexiblen Denkfähigkeit eines Agenten für klar umrissene Aufgaben. Weitere Muster dieser Art beschreiben wir in unserem Beitrag über zuverlässige KI-Agenten-Systeme.
Eine einfache Faustregel für die Entscheidung:
| Nehmen Sie einen ChatAgent, wenn... | Nehmen Sie einen Workflow, wenn... |
|---|---|
| die wichtigste Schnittstelle ein Gespräch mit einem Benutzer ist. | Sie einen mehrstufigen Geschäftsprozess im Backend automatisieren. |
die Abfolge der Schritte unvorhersehbar ist und vom LLM bestimmt wird. | die Abfolge der Schritte bekannt ist und vorhersehbar sein soll. |
| die Aufgabe relativ kurzlebig ist (Sekunden bis Minuten). | der Prozess lange laufen kann (Stunden oder Tage). |
Sie maximale Flexibilität für unterschiedlichste Eingaben brauchen. | Sie maximale Zuverlässigkeit, Nachvollziehbarkeit und Kontrolle brauchen. |
Hinweis: Wie immer gilt: Solche Tabellen sind Richtwerte, keine festen Regeln.
Grundbegriffe von Workflows: Executors, Kanten und Kontext
Um einen Workflow zu bauen, konstruieren Sie einen ausführbaren gerichteten azyklischen Graphen (DAG). Das Microsoft Agent Framework bietet dafür klar getrennte Bausteine für Knoten, Kanten und den Datenfluss des Graphen. Wer modulare, wartbare automatisierte Prozesse entwerfen will, muss sie kennen.
Executors: die Knoten des Graphen
Ein Executor ist die grundlegende Recheneinheit eines Workflows: ein einzelner, in sich geschlossener Knoten im Ausführungsgraphen. Jeder Executor sollte genau eine Aufgabe haben: eine Eingabe empfangen, eine bestimmte Operation ausführen und eine Ausgabe erzeugen. So bleibt der Workflow modular und testbar.
Das Framework kennt zwei Arten, Executors zu implementieren:
- Klassenbasierte Executors: Für Komponenten mit komplexer Logik,
internem Zustand oder umfangreicher Konfiguration definieren Sie eine
Klasse, die von
agent_framework.Executorerbt. Dieser objektorientierte Ansatz passt zu anspruchsvoller Geschäftslogik. - Funktionsbasierte Executors: Für zustandslose Transformationen mit nur
einem Zweck definieren Sie eine
async-Funktion und versehen sie mit dem Decorator@executor. Dieses schlanke Muster passt zu einfachen Knoten für Datenzuordnung, Filterung oder Weiterleitung.
Handler (@handler): der Einstiegspunkt der Ausführung
In einem klassenbasierten Executor markiert der Decorator @handler die
async-Methode, die die Workflow-Engine aufruft. Diese Methode ist der
Einstiegspunkt für die Logik des Knotens.
Bei funktionsbasierten Executors ist die Funktion selbst implizit der Handler,
der Decorator @executor genügt also. @handler legt die Ausführungslogik
innerhalb einer Klasse explizit fest.
WorkflowBuilder und Kanten: die Topologie des Graphen festlegen
Eine Sammlung von Executors ist noch kein Workflow, solange ihre Struktur
nicht festgelegt ist. Der WorkflowBuilder ist die Fluent-API, mit der Sie
die Topologie des Graphen definieren: die gerichteten Kanten, die Kontrollfluss
und Daten zwischen den Executors bestimmen.
Die WorkflowBuilder-API bietet deklarative Methoden, um den Graphen
aufzubauen:
set_start_executor(executor): Legt den Einstiegsknoten des Workflows fest.add_edge(source_executor, destination_executor): Erzeugt eine gerichtete Kante. Sendet dersource_executoreine Nachricht, leitet die Workflow-Engine sie als Eingabe an dendestination_executorweiter.add_edge(source_executor, destination_executor, condition=...): Erzeugt Verzweigungen im Graphen. Die Funktionconditionerhält die Nachricht und entscheidet, ob die Kante genommen wird. Daten werden so anhand ihres Inhalts weitergeleitet. Das brauchen Sie für Geschäftsregeln und bedingte Logik.
Dieser Ansatz trennt die Orchestrierungslogik (die Struktur des Graphen) von der Geschäftslogik (der Implementierung der Executors), und das hält das System wartbar.
WorkflowContext: die Schnittstelle zur Workflow-Engine
Executors sprechen nicht direkt miteinander. Sie sind vollständig entkoppelt
und kommunizieren über die Workflow-Engine mit dem Objekt
WorkflowContext (ctx), das jedem Handler als Argument übergeben wird.
WorkflowContext bietet zwei Methoden, um den Datenfluss zu steuern:
ctx.send_message(data): Gibt eine Ausgabe des aktuellen Executors aus. Die Engine fängt diesen Aufruf ab und leitet die Nutzdatendataan alle nachgelagerten Knoten weiter, die über ausgehende Kanten verbunden sind. Das ist der übliche Weg, Daten zwischen Knoten weiterzugeben.ctx.yield_output(data): Damit veröffentlichen Endknoten ein Endergebnis für den gesamten Workflow. Alle Daten, die anyield_outputgehen, werden gesammelt und an den externen Client zurückgegeben, der den Workflow gestartet hat. Ein Workflow kann mehrere Endknoten haben und mehrere Ausgaben liefern.
Praxis Teil 1: ein mehrstufiger Workflow für IT-Anfragen
Workflows versteht man am besten, indem man einen baut. Wir erstellen einen mehrstufigen Workflow, der die erste Bearbeitung, die Anreicherung und die Protokollierung einer IT-Supportanfrage automatisiert.
Der Workflow ist eine Pipeline mit vier Schritten:
- Kategorisieren: Ein LLM analysiert die rohe Anfrage eines Benutzers und extrahiert strukturierte Angaben wie Problembereich und Priorität.
- Anreichern: Der Workflow nimmt die ermittelte Kategorie und reichert das Ticket an, indem er in einer vordefinierten Wissensbasis das zuständige IT-Supportteam nachschlägt.
- Formatieren: Er fasst alle Informationen in einem sauberen JSON-Objekt zusammen, das direkt an eine API gehen kann.
- Ticket anlegen: Zum Schluss simuliert er einen Aufruf an die API eines externen Ticketsystems und gibt eine abschließende Bestätigung aus.
Zuerst bauen wir den Workflow und starten ihn über die Kommandozeile, um den Prozess von Anfang bis Ende zu sehen. Danach nutzen wir die eingebaute Dev Web UI des Frameworks als grafische Oberfläche zum Debuggen und Ausprobieren.
Voraussetzungen
Bevor Sie beginnen, stellen Sie sicher, dass Ihre Umgebung alle nötigen Komponenten enthält, auch die für die Weboberfläche.
-
Installieren Sie die nötigen Pakete:
-
Setzen Sie die Umgebungsvariablen für Azure OpenAI: Der Workflow verwendet den
AzureOpenAIResponsesClient. Folgende Variablen müssen gesetzt sein:AZURE_OPENAI_ENDPOINTAZURE_OPENAI_CHAT_DEPLOYMENT_NAMEAZURE_OPENAI_RESPONSES_DEPLOYMENT_NAMEAZURE_OPENAI_API_KEY
Schritt 1: Datenmodelle und Executors definieren
Der Workflow gibt streng typisierte Daten mit Pydantic-Modellen von Knoten zu Knoten weiter. Wir definieren vier Executors, einen für jeden Schritt der Pipeline.
Legen Sie eine Datei executors.py an.
Schritt 2: Den Workflow bauen und über die Konsole starten
Mit den vier Executors können wir sie verbinden und den Workflow direkt starten, um die Logik von Anfang bis Ende zu testen.
Legen Sie eine Datei main.py mit folgendem Inhalt an.
Starten Sie das Skript im Terminal mit python main.py. Sie sehen nacheinander
die Log-Ausgaben aller vier Knoten, ein Zeichen, dass der Workflow korrekt
durchgelaufen ist.
Erwartete Konsolenausgabe:
Schritt 3: Den Workflow in der DevUI visualisieren
Zum Überprüfen reicht die Konsole, aber das Framework bringt auch ein sehr gutes Werkzeug für Entwicklung und Debugging mit: die Dev Web UI. Sie zeigt den Ausführungsgraphen, macht den Datenfluss zwischen den Knoten sichtbar und lässt Sie den Workflow interaktiv ausführen.
Wir passen main.py so an, dass diese Oberfläche startet.
1. Das Workflow-Objekt anlegen: Definieren Sie zuerst ein wiederverwendbares Workflow-Objekt außerhalb des Hauptprogramms.
2. main.py für die Oberfläche anpassen: Ersetzen Sie die Funktion
run_workflow und den Hauptblock durch den Code, der die Oberfläche startet.
Starten Sie das geänderte Skript mit python main.py. Im Browser öffnet sich
http://localhost:8091.
Zuerst sehen Sie Ihren Workflow als interaktiven Graphen.
DevUI-Graph des IT-Ticket-Workflows mit vier Schritten
Klicken Sie auf "Configure & Run", geben Sie eine Beispielanfrage ein und führen Sie den Workflow aus.
DevUI-Dialog zum Eingeben der Workflow-Eingabe und Starten des Workflows
Während der Ausführung verfolgen Sie, wie die Daten durch die Knoten fließen, sehen Ein- und Ausgaben und prüfen, ob sich jeder Schritt wie erwartet verhält.
Zeitleiste der Ausführung in der DevUI: alle vier Knoten abgeschlossen, mit Endergebnis
Praxis Teil 2: bedingte Kanten für Alarme bei hoher Priorität
Lineare Workflows sind ein guter Anfang, aber echte Geschäftsprozesse brauchen oft Verzweigungen. Eine kritische Supportanfrage soll nicht denselben Weg nehmen wie eine Routineanfrage. Das Microsoft Agent Framework löst das mit bedingten Kanten, die Daten anhand ihres Inhalts weiterleiten.
Als Nächstes erweitern wir den IT-Workflow so, dass er Tickets mit hoher Priorität anders behandelt. Stuft das LLM ein Ticket mit der Priorität "High" ein, verzweigt der Workflow und schickt es an einen eigenen Benachrichtigungsknoten "Send Alert" (den wir simulieren). Tickets mit niedriger und mittlerer Priorität laufen weiter über die normale Ticketanlage.
Damit bekommt der Graph einen Entscheidungspunkt, und die Automatisierung reagiert auf die Dringlichkeit jeder Anfrage.
Schritt 1: Einen Alarm-Executor und Bedingungsfunktionen ergänzen
Wir brauchen einen neuen Executor, der Alarme verschickt, und Funktionen, die
die Weiterleitungslogik festlegen. Beides kommt in die bestehende Datei
executors.py.
1. Den neuen SendAlertExecutor ergänzen
Das ist ein neuer Endknoten für den Zweig mit hoher Priorität.
2. Die Bedingungsfunktion anlegen
Eine Bedingungsfunktion ist eine einfache boolesche Funktion. Sie prüft die Daten, die über eine Kante fließen, und entscheidet, ob dieser Weg genommen wird.
Ergänzen Sie Ihre Datei executors.py um Folgendes:
Schritt 2: Den verzweigten Workflow bauen
Jetzt passen wir main.py an, um den neuen, nicht linearen Graphen
aufzubauen. Mit add_edge und dem Parameter condition erzeugen wir nach dem
enrich_node zwei Zweige:
- Der
enrich_nodewird zum Entscheidungspunkt. - Liefert
is_high_priorityden WertTrue, fließen die Daten zumsend_alert_executor. - Liefert
is_normal_priorityden WertTrue, fließen die Daten wie bisher zumformat_ticket_executor.
Ändern Sie Ihre main.py entsprechend.
Schritt 3: Beide Zweige in der DevUI testen
Starten Sie das geänderte Skript main.py. Die DevUI zeigt jetzt den
verzweigten Graphen.
DevUI-Graph mit getrennten Zweigen für Formatieren und Anlegen sowie für den Alarm
Testfall 1: normale Priorität
Geben Sie I need to reset my password for the HR portal, I forgot the old one.
ein und klicken Sie auf "Run Workflow". Das LLM sollte die Anfrage mit der
Priorität "Low" oder "Medium" einstufen. Im Graphen der DevUI läuft der
Workflow über den oberen Zweig Enrich -> Format -> Create Ticket, und am Ende
steht die übliche Bestätigung, dass das Ticket angelegt wurde.
Testfall 2: hohe Priorität
Geben Sie The entire payment processing service is down! We cannot process any customer credit cards!
ein und klicken Sie auf "Run Workflow". Das LLM stuft die Anfrage mit
"High" ein, und der Workflow läuft über den unteren Zweig Enrich -> Send Alert.
Am Ende zeigt die Oberfläche die Alarmmeldung mit hoher Priorität.
Mit bedingten Kanten ist der Workflow keine einfache Pipeline mehr: Er verhält sich je nach Daten unterschiedlich. Dieses Muster brauchen Sie für jede Automatisierung, die mit der Vielfalt echter Anfragen zurechtkommen muss.
Zusammenfassung: von Pipelines zu Prozessen
In diesem Leitfaden sind wir vom gesprächsorientierten ChatAgent zur
strukturierten Orchestrierung mit Workflows gekommen. Begonnen haben wir mit
einer linearen Pipeline aus vier Executors, die unstrukturierte Eingaben von
Benutzern in angereicherte, strukturierte Daten für ein nachgelagertes System
verwandelt.
Danach kam bedingte Logik dazu. Durch die Verzweigung anhand des Inhalts (in unserem Fall der Ticketpriorität) wurde aus der Pipeline ein Geschäftsprozess, der dringende und routinemäßige Anfragen unterschiedlich behandelt. Explizite, nachvollziehbare und bedingte Ausführungspfade wie diese sind die Grundlage zuverlässiger Automatisierung im Unternehmen.
Die bisher gebauten Workflows sind noch in sich geschlossen und laufen in einem Durchgang von Anfang bis Ende. Die wichtigsten Unternehmensprozesse funktionieren oft anders. Sie müssen ihren Zustand über Systemneustarts hinweg behalten, lange auf externe Ereignisse warten und, vor allem, bei kritischen Entscheidungen menschliches Urteilsvermögen einbeziehen.
Auch für diese Anforderungen des Produktivbetriebs bietet das Framework Bausteine:
- Dauerhaftigkeit und Zustandsverwaltung: Mit Checkpointing werden Workflows dauerhaft. Ein Workflow lässt sich dann anhalten, sein Zustand in einer Datenbank sichern und Stunden oder sogar Tage später fortsetzen. Das schützt ihn vor Systemausfällen.
- Human-in-the-Loop: Mit einem Freigabeschritt hält der Workflow an und wartet auf ein externes Signal, etwa die Entscheidung einer Führungskraft, bevor er weiterläuft. So bauen Sie vertrauenswürdige KI-Systeme, die das Tempo der Automatisierung mit menschlicher Aufsicht verbinden.
Die unten verlinkte offizielle Dokumentation zu Workflows behandelt beides.
Wenn Sie einen solchen Prozess in Ihrem Unternehmen automatisieren möchten, etwa die Verarbeitung eingehender Bestellungen oder Anfragen, unterstützt Sie unser Team für KI-Beratung von der Analyse bis zum Produktivbetrieb.
Offizielle Ressourcen
- Offizielle Dokumentation zu Workflows: Die maßgebliche Quelle für Konzepte, fortgeschrittene Muster und die API-Referenz.
- GitHub-Repository: Quellcode, weitere Beispiele (auch die aus diesem Beitrag) und die Möglichkeit, selbst zum Projekt beizutragen.
- Ankündigung im Blog: Microsofts ursprüngliche Ankündigung mit Hintergründen zu Vision und Strategie hinter dem Framework (auf Englisch).
Sie möchten zuverlässige KI-Agenten-Systeme bauen?
Wir haben auf Basis aktueller Forschung einen ausführlichen Leitfaden (auf Englisch) erstellt, wie Sie robuste KI-Agenten-Systeme bauen, die auch im produktiven Betrieb funktionieren. Der Leitfaden behandelt:
- die 14 systematischen Fehlerquellen in Multi-Agenten-Systemen
- belegte Best Practices für das Design von Agenten
- strukturierte Kommunikationsprotokolle und Prüfmechanismen
Weiterlesen
- KI-Agenten mit dem Microsoft Agent
Framework: Der erste
Beitrag dieser Serie und der Einstieg in das
ChatAgent-Muster und die zentralen Enterprise-Funktionen des Frameworks. - AI Agents From Scratch (auf Englisch): Die Grundlagen von KI-Agenten, von der Planung bis zur Ausführung von Tools, als Hintergrund für die Agenten-Bausteine, die Sie in Workflows einbetten können.
- Langfuse: Observability für LLM-Anwendungen: Observability ist für Produktivsysteme unverzichtbar. Dieser Beitrag zeigt Werkzeuge und Techniken, um komplexe LLM-Anwendungen und Workflows zu überwachen und zu debuggen.
- RAG mit Azure AI Search: Wie Sie Agenten und Workflows mit internem Wissen versorgen, indem Sie ein Retrieval-Augmented-Generation-System auf Azure bauen.
- KI-Agenten mit n8n: Ein anderer Low-Code-Ansatz für agentische Workflows, nützlich als Vergleich für die Prozessautomatisierung.
- SharePoint-Listen als Wissensquelle in Copilot Studio: Der Low-Code-Weg im Microsoft-Stack: ein Agent in Copilot Studio mit Agent-Flow-Tools, die SharePoint-Daten abfragen.
- LLM-Tracing mit Opik (auf Englisch): Traces, Evaluierungen und Monitoring-Dashboards für LLM-Anwendungen, als Alternative zu Langfuse.
- Inhaltsfilter in Azure OpenAI: Was die Standardfilter in Geschäftsszenarien blockieren und wie Sie sie konfigurieren, bevor Ihre Workflows im Produktivbetrieb daran scheitern.


